"Es sind die kleinen Wörter, die ein Gedicht ausmachen. Es sind die (Un)wichtigkeiten, die niemals verschwinden. Das ist in Sabine Imhofs Gedichten immer so, selbst wenn sie verschwindet - ich rede von der Liebe, die alle DichterInnen auf ihre Weise erdulden und erleiden müssen (ausgestreckt wie ein Salamander, der manchmal daran zweifelt, ein Salamander zu sein). Auf die Wörter kommt es ihr an, auf die kleinen, die unauslöschlichen, die unmöglich zersausten.
"bei jeder lüge wuchs ihr haar / bald würde sie verschwinden." Das ist die Imhof, eine Dichterin, die ausgesprochen verloren dasteht, wenn sie ein Wort entdeckt, das sie nicht mit Leben füllen kann. So klein, so banal die Wörter auch manchmal erscheinen, so groß setzt Frau Imhof sie um.
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(Hans-Jürgen Hilbig, Januar 2008)
Interview in der RZ, August 2006
"Einen traurigen Text zu schreiben, der nicht larmoyant daherkommt, ist ein unerhörter Kunstgriff, der hier gelungen ist. Bei dieser klassisch erzählten Kurzgeschichte sitzt jedes Wort, es gibt keine überflüssigen Stellen, die Autorin baut eine Stimmung auf, die den ganzen Text hindurch spürbar ist. Und am Ende gibt es dann noch den kleinen Moment des Glücks, der sogar den schmerzhaften Verlust eines Menschen für Sekunden erträglich macht."
(Michael Müller Verlag, April 2006)
Interview zur Lesung an der Poolbar in Feldkirch/A, Juli 2005
"Zu überzeugen vermochte auch Sabine Imhofs Erzählung "Die anderen Dinge". Dieser in Raron spielende, immer wieder Haken schlagende Text handelt von einer Trennung und dem Zurückbleiben des Kindes ohne Mutter. Die hatte Rilkes Grab besucht. Jetzt, da sie weg ist, räsoniert der Vater vor seinem Sohn: "Manchmal denke ich, dass sie in Wirklichkeit lieber so einen Mann gehabt hätte, weißt du? So einen wie Rainer Maria. So einen Zahrtfühlenden, so eine Schwuchtel, die den ganzen Tag poetische Gedanken hat." Das sind Sätze, die in ihrer Schärfe an amerikanische Short Stories erinnern. Noch kann die Autorin den Ton nicht ganz durchhalten, aber von ihr ist einiges zu erwarten."
(Daniel Zahno, Basler Zeitung, 28. Februar 2005)
"Aber da ist auch Sabine Imhofs eindrückliche und leise Leidensgeschichte einer Elterntrennung, das Zurückbleiben des Kindes ohne Mutter. Die Erzählung beehrt die Schweiz am Rande, das Kind ist zufällig im Wallis wohnhaft. Krnetas und Imhofs Beiträge erweisen sich als prachtvolle Blüten in diesem wild gemischten Strauss von Texten. Durch spielerischen Witz und psychologische Genauigkeit stark, entfalten jedoch diese beiden Texte ihre Qualität nicht zwingend am Grad des messbar "Schweizerischen". Und so fragt es sich grundsätzlich: Wären nicht auch andere "Text-Knospen" noch besser zur Blüte gekommen ohne dieses Korsett?"
(Esther Kühne, Rubikon, 14. November 2004)
"Vor dem Ruhm geht man in die Knie, manchmal noch schnell auf die Toilette oder gar zugrunde. Sabine Imhof geht den Dingen auf den Grund. Versuchen Sie, einen ganzen Tag nur mit den Worten aus diesem Buch zu bestreiten. Sie werden ganz neue Eindrücke gewinnen. Da werden Hände als Hut getragen. Himmelsstücke, die das Verfallsdatum überschritten haben, werden nach und nach zurückgegeben. Schatten kippen von den Wänden. Körper beginnnen zu wuchern, weil sie nicht berührt werden. Anhand des Musters des Bettbezuges wird vorausgesagt, wie viele Nächte den Liebenden noch verbleiben. Haare wachsen nach innen. Und Gedichte über das Alphabet hinaus."
(Herbert Hindringer für Satt.org, August 2004)
"Hier schafft Sabine Imhof eine vage Art der Klarheit. Man kann sich ohnehin nicht gegen Sabine Imhofs Stil wehren. Kurz, präzise und bedingungslos offen; aber auch sentimental, detailverliebt und kitschig. Und doch ungeheuer ernsthaft und nüchtern. Mehr kann man sonntags nicht erleben. Denn da erscheinen Bilder, die unmissverständlich deutlich und trotzdem unbekannt sind. Situationen, die in Vergessenheit geraten würden, sähe man nicht hier mit Sabine Imhofs Augen."
(Yedermann Verlag München, 2004)
"Auf ihre Weise überzeugen dann die Texte von Simon Libsig (geb. 1977) und von Sabine Imhof (geb. 1976). Ersterer präsentiert uns ein rhythmisch austariertes, sprachlich ausgefeiltes, im Grunde jedoch nichtssagendes Slam-Gedicht. Imhof lädt uns derweil zu einer längeren Beschäftigung mit ihrer Person, indem sie ihr Selbstporträt als eine lange, wegen der fehlenden Satzzeichen nicht sogleich entzifferbare Liste gestaltet."
(NZZ, 8. Oktober 2003)